Nachhaltigkeit in der Unterhaltungsbranche: ESG-Reporting-Leitfaden

Dcycle Team · · 6 Min. Lesezeit
Nachhaltigkeit in der Unterhaltungsbranche: ESG-Reporting-Leitfaden

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Warum Nachhaltigkeit in der Unterhaltungsbranche wichtig ist

Die Unterhaltungsbranche umfasst Film- und Fernsehproduktion, Live-Events und Konzerte, Gaming- und Streaming-Plattformen sowie Freizeitparks. Jeder Teilbereich verursacht erhebliche Umweltauswirkungen: von der Energie, die Rechenzentren für Streaming-Dienste verbrauchen, bis hin zu den Abfallmengen, die bei Grossveranstaltungen anfallen. Da regulatorische Rahmenwerke wie die CSRD und das deutsche CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) ihren Anwendungsbereich auf grosse Unternehmen aller Branchen ausweiten, müssen Unterhaltungsunternehmen die CO2-Bilanzierung und das ESG-Reporting ernst nehmen.

Publikum, Investoren und Regulierungsbehörden erwarten zunehmend, dass Unterhaltungsunternehmen ihre Umweltauswirkungen quantifizieren und reduzieren. Eine Blockbuster-Filmproduktion kann mehr als 3.000 Tonnen CO2-Äquivalent erzeugen, während ein grosses Musikfestival im gleichen Zeitraum Emissionen vergleichbar mit einer Kleinstadt verursachen kann. Diese Zahlen verdeutlichen die Notwendigkeit eines strukturierten Nachhaltigkeitsmanagements.

Der erste Schritt besteht darin, zu verstehen, woher die Emissionen stammen und wie sie gemessen werden. Darauf aufbauend können Unternehmen Reduktionsziele setzen, nachhaltigere Praktiken einführen und transparent nach Rahmenwerken wie der CSRD und dem GHG Protocol berichten.

Emissionen in der Film- und Fernsehproduktion

Film- und Fernsehproduktionen verursachen in jeder Phase Emissionen, von der Vorproduktion über die Postproduktion bis hin zur Auswertung. Die grössten Verursacher sind in der Regel:

  • Reisen und Transport: Der Transport von Darstellern, Crew und Ausrüstung macht einen erheblichen Anteil aus. Internationale Produktionen mit mehreren Drehorten sind besonders hohen Scope-3-Transportemissionen ausgesetzt.
  • Kulissenbau und Materialien: Der Bau von Sets erfordert Holz, Farbe, Kunststoffe und Metalle. Ein Grossteil dieses Materials wird nach Abschluss der Produktion zu Abfall.
  • Energie am Set: Beleuchtungsanlagen, Generatoren (an Aussenstandorten oft dieselbetrieben), Klimaanlagen für Innenstudios und Catering-Betrieb verbrauchen intensiv Energie.
  • Postproduktion: VFX-Rendering, Farbkorrektur und Tonmischung sind auf energieintensive Recheninfrastruktur angewiesen. Ein einzelner VFX-lastiger Film kann Millionen von GPU-Stunden erfordern.
  • Distribution: Die Produktion physischer Medien ist rückläufig, doch die digitale Distribution über Streaming-Plattformen bringt Energiekosten für Rechenzentren und Netzwerke mit sich.

Brancheninitiativen für umweltfreundlichere Produktionen

Es sind mehrere Initiativen entstanden, die Produktionen bei der Messung und Reduzierung ihres Fussabdrucks unterstützen:

  • albert (entwickelt von BAFTA): Eine britische Zertifizierung und ein CO2-Rechner, der speziell für Film und Fernsehen konzipiert wurde. Produktionen, die den albert-Richtlinien für nachhaltige Produktion folgen, können das albert-Zertifizierungszeichen erhalten.
  • Green Shooting: In Deutschland fördert die Initiative “Green Shooting” ökologische Mindeststandards für Film- und Fernsehproduktionen. Die vom Arbeitskreis Green Shooting entwickelten Kriterien werden zunehmend Voraussetzung für öffentliche Filmförderung.
  • Europäische Green-Filming-Rahmenwerke: Mehrere EU-Mitgliedstaaten haben Anreize für Produktionen eingeführt, die Nachhaltigkeitskriterien erfüllen, und verknüpfen Steuervergünstigungen mit der Umweltleistung.

Studios können grüne Produktionsprotokolle einführen, die erneuerbare Energien am Set, nachhaltiges Catering, digitale Arbeitsabläufe zur Papierreduzierung und Materialwiederverwendungsprogramme für den Kulissenbau vorschreiben. Die Nachverfolgung dieser Massnahmen erfordert granulare, projektbezogene Emissionsdaten. Hier werden Plattformen wie die automatisierte Datenerfassung von Dcycle unverzichtbar.

Live-Events, Konzerte und Festivals

Live-Unterhaltung stellt aufgrund ihres temporären, hochintensiven Charakters besondere Nachhaltigkeitsherausforderungen dar. Ein grosses Festival oder eine Konzerttournee umfasst:

  • Energieverbrauch der Veranstaltungsstätte: Beleuchtung, Beschallungssysteme, Videoleinwände und Klimatisierung von Innenräumen erfordern erhebliche Leistung. Freiluftfestivals sind oft auf temporäre Dieselgeneratoren angewiesen.
  • Anreise des Publikums: Bei Grossveranstaltungen ist die An- und Abreise des Publikums häufig die mit Abstand grösste Emissionsquelle und kann über 70 % des gesamten Veranstaltungsfussabdrucks ausmachen.
  • Abfallaufkommen: Einwegbecher, Lebensmittelverpackungen, Werbematerialien und zurückgelassene Campingausrüstung bei Festivals erzeugen tonnenweise Abfall pro Veranstaltung.
  • Temporäre Infrastruktur: Bühnen, Absperrungen, Hospitality-Bereiche und Campinganlagen erfordern Material, Transport und Energie für Auf- und Abbau.
  • Emissionen in der Lieferkette: Catering, Merchandise-Produktion und Ausrüstungsverleih tragen zum Scope-3-Fussabdruck bei.

Strategien für nachhaltige Veranstaltungen

Veranstalter können mehrere praktische Schritte unternehmen:

  1. Umstieg auf erneuerbare Energien: Netzanschluss nutzen, wo verfügbar, oder in Biodiesel- und Batterie-Hybrid-Generatoren investieren, um herkömmliche Dieselaggregate zu ersetzen.
  2. Nachhaltige Mobilität fördern: Shuttle-Services, subventionierte ÖPNV-Tickets, Fahrradinfrastruktur und Anreize für Fahrgemeinschaften anbieten.
  3. Einwegplastik eliminieren: Mehrwegbechersysteme, kompostierbare Lebensmittelverpackungen und Trinkwasserstationen einführen.
  4. Messen und berichten: Standardisierte Methoden (ISO 14064, GHG Protocol) zur Berechnung der Emissionen auf Veranstaltungsebene nutzen und die Ergebnisse veröffentlichen.

Die Messung von Emissionen auf Veranstaltungsebene erfordert die Erfassung von Daten mehrerer Lieferanten, Transportunternehmen und Energiequellen. Die CO2-Fussabdruck-Plattform von Dcycle ermöglicht es Veranstaltungsunternehmen, diese Daten zu konsolidieren, Scope-1-, -2- und -3-Emissionen pro Veranstaltung zu berechnen und die Leistung ihres gesamten Veranstaltungsportfolios zu vergleichen.

Gaming, Streaming und digitale Unterhaltung

Die digitale Seite der Unterhaltung wird oft als “sauber” wahrgenommen, da sie keine physischen Produkte beinhaltet. Tatsächlich haben Gaming und Streaming einen erheblichen und wachsenden ökologischen Fussabdruck:

  • Rechenzentren: Streaming-Plattformen und Cloud-Gaming-Dienste sind auf eine umfangreiche Serverinfrastruktur angewiesen. Rechenzentren machten 2025 etwa 1,5 % des weltweiten Stromverbrauchs aus, und Unterhaltungs-Streaming ist ein wesentlicher Treiber.
  • Netzwerkenergie: Die Übertragung von Video- und Spieldaten an die Endnutzer verbraucht Energie entlang der gesamten Internetinfrastruktur, von Backbone-Netzwerken bis zu lokalen Zugangspunkten.
  • Endgeräte: Die Herstellung und der Betrieb von Konsolen, PCs, Smartphones und Fernsehern, die zum Konsum von Unterhaltungsinhalten genutzt werden, erzeugen Emissionen über ihren gesamten Lebenszyklus.
  • Spieleentwicklung: Grosse Studios betreiben Büros, Motion-Capture-Einrichtungen und Serverfarmen für Entwicklung und Tests.

Strategien für digitale Effizienz

  • Codierung und Auslieferung optimieren: Adaptives Bitrate-Streaming und effiziente Codecs (AV1, HEVC) reduzieren die Datenübertragungsmengen und den damit verbundenen Energieverbrauch.
  • Erneuerbare Energien für Rechenzentren beschaffen: Sich zur Beschaffung von 100 % erneuerbarer Energie für eigene oder angemietete Rechenzentrums-Kapazitäten verpflichten.
  • Hardware-Lebenszyklen verlängern: Konsolen und Geräte auf Langlebigkeit auslegen, Reparaturprogramme anbieten und Cloud-Gaming zur Verringerung der Hardware-Abhängigkeit unterstützen.
  • Scope 3 umfassend messen: Die vorgelagerte Hardware-Herstellung und den nachgelagerten Energieverbrauch der Endgeräte in die CO2-Bilanzierung einbeziehen.

Freizeitparks und Attraktionen

Freizeitparks vereinen Elemente aus Gastronomie, Transport, Einzelhandel und schwerer Infrastruktur, was ihr Nachhaltigkeitsprofil komplex macht:

  • Energie: Fahrgeschäfte, Attraktionen, Beleuchtung, Klimatisierung von Innenräumen und Wasseranlagen verbrauchen grosse Mengen Strom. Grosse Freizeitpark-Resorts können so viel Energie verbrauchen wie eine Kleinstadt.
  • Wasser: Wasserattraktionen, Landschaftspflege, Kühlsysteme und Besuchereinrichtungen erfordern erhebliche Wasserressourcen, insbesondere in warmen Klimazonen.
  • Abfall: Gastronomie-Betrieb, Merchandise-Verpackungen und Besucherabfälle erzeugen erhebliche Mengen an Feststoffabfall.
  • Transport: Die Anreise der Besucher zum Park (oft mit dem Auto) und das Pendeln der Mitarbeiter sind wesentliche Scope-3-Beiträge.

Führende Freizeitparkbetreiber haben sich zu wissenschaftsbasierten Zielen verpflichtet und investieren in Photovoltaik-Anlagen vor Ort, LED-Beleuchtungsmodernisierung, Elektrofahrzeugflotten und Wasserrecyclingsysteme.

Regulatorische Compliance: CSRD und CSR-RUG für Unterhaltungsunternehmen

Unter der CSRD müssen grosse Unterhaltungsunternehmen, die in der EU tätig sind, über ihre Nachhaltigkeitsleistung gemäss den European Sustainability Reporting Standards (ESRS) berichten. Dies gilt für Unternehmen, die mindestens zwei von drei Schwellenwerten erfüllen: mehr als 250 Mitarbeiter, mehr als 50 Millionen Euro Nettoumsatz oder mehr als 25 Millionen Euro Bilanzsumme.

In Deutschland hat das CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz (CSR-RUG) bereits seit 2017 grosse kapitalmarktorientierte Unternehmen zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtet. Mit der CSRD werden die Anforderungen deutlich verschärft: detailliertere Datenpunkte, externe Prüfungspflicht und die Anwendung der ESRS. Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ergänzt diese Anforderungen mit spezifischen Pflichten zur menschenrechtlichen und umweltbezogenen Sorgfalt in der Lieferkette, was für Unterhaltungsunternehmen mit internationalen Produktions- und Beschaffungsketten besonders relevant ist. Die BaFin überwacht die Einhaltung der Berichtspflichten kapitalmarktorientierter Unternehmen.

Für Unterhaltungsunternehmen sind die wesentlichsten ESRS-Themen in der Regel:

  • ESRS E1 (Klimawandel): Scope-1-, -2- und -3-Emissionen, Übergangspläne und klimabezogene Risiken.
  • ESRS E5 (Ressourcennutzung und Kreislaufwirtschaft): Abfallmanagement, Materialverbrauch und zirkuläre Designpraktiken.
  • ESRS S1 (Eigene Belegschaft): Arbeitsbedingungen, besonders relevant in einer Branche mit hohen Anteilen an freiberuflicher und befristeter Beschäftigung.
  • ESRS S2 (Beschäftigte in der Wertschöpfungskette): Arbeitsbedingungen in der Lieferkette bei der Merchandise-Produktion und bei Veranstaltungsdienstleistungen.

Unternehmen müssen eine Doppelte Wesentlichkeitsanalyse durchführen, um festzustellen, welche Themen offenzulegen sind.

Wie Dcycle Unterhaltungsunternehmen unterstützt

Dcycle bietet eine zentrale Plattform, mit der Unterhaltungsunternehmen ihre Nachhaltigkeitsdaten und ihr Reporting verwalten können:

  • Projektbezogenes Tracking: Ordnen Sie Emissionsdaten einzelnen Produktionen, Veranstaltungen, Tourneen oder Spielzeiten zu. Vergleichen Sie die CO2-Intensität verschiedener Projekte und identifizieren Sie Reduktionspotenziale.
  • Standort- und Anlagenmanagement: Verfolgen Sie Energie-, Wasser- und Abfalldaten mehrerer Veranstaltungsorte, Studios oder Parks in einem einzigen Dashboard.
  • Datenerfassung in der Lieferkette: Erfassen Sie Emissionsdaten von Lieferanten, Auftragnehmern und Dienstleistern mithilfe automatisierter Datenerfassungs-Workflows.
  • Multi-Framework-Reporting: Erstellen Sie Berichte gemäss CSRD, GHG Protocol, CDP und anderen Rahmenwerken aus einem einzigen Datensatz.
  • Reduktionsplanung: Setzen Sie wissenschaftsbasierte Ziele und verfolgen Sie den Fortschritt mit Szenariomodellierungs-Tools.

Möchten Sie die Umweltauswirkungen Ihres Unterhaltungsunternehmens messen und steuern? Demo anfordern, um zu erfahren, wie Dcycle Sie unterstützen kann.

Häufig gestellte Fragen

Was sind die Hauptemissionsquellen in der Unterhaltungsbranche?

Die Hauptquellen variieren je nach Teilbereich. Bei Film und Fernsehen dominieren Transport, Kulissenbau und Energie am Set. Bei Live-Events ist die Anreise des Publikums typischerweise die grösste Quelle, gefolgt von temporärer Stromerzeugung und Abfall. In der digitalen Unterhaltung ist der Energieverbrauch der Rechenzentren der primäre Treiber. Freizeitparks sehen sich einem erheblichen Energie- und Wasserverbrauch durch Fahrgeschäfte, Attraktionen und Besuchereinrichtungen gegenüber.

Gilt die CSRD für Unterhaltungsunternehmen?

Ja. Die CSRD gilt für alle grossen Unternehmen, die in der EU tätig sind und die Grössenschwellen erfüllen, unabhängig von der Branche. Viele grosse Unterhaltungskonzerne, darunter Filmstudios, Veranstaltungsunternehmen, Streaming-Plattformen und Freizeitparkbetreiber, fallen in den Anwendungsbereich. In Deutschland müssen Unternehmen, die bereits dem CSR-RUG unterliegen, sich auf die verschärften CSRD-Anforderungen vorbereiten.

Wie können Veranstalter den CO2-Fussabdruck einer einzelnen Veranstaltung messen?

Veranstalter sollten die Methodik des GHG Protocol oder der ISO 14064 anwenden. Zunächst wird die Systemgrenze der Veranstaltung definiert (welche Aktivitäten und Emissionsquellen einbezogen werden). Dann werden Daten zu Energieverbrauch, Transport (einschliesslich Befragungen zur Anreise des Publikums), Abfallmengen, verwendeten Materialien und Lieferketten-Aktivitäten erhoben. Werkzeuge wie Dcycle ermöglichen es, diese Daten einzugeben und die Scope-1-, -2- und -3-Emissionen jeder Veranstaltung zu berechnen, was den Vergleich und die kontinuierliche Verbesserung erleichtert.

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